Was ist das besondere an der Trakehner Zucht?

König Friedrich Wilhelm I. von Preussen war es, der zum Zwecke der Verbesserung der Landespferdezucht die Gründung des Hauptgestüts Trakehnen veranlasste. Am 1. September 1732 konnte nach sechsjähriger harter Arbeit, die Fertigstellung des Gestütes mit einem Pferdebestand von 1101 Pferden - darunter 513 Mutterstuten - vermeldet werden. Dies war die Geburtsstunde der noch heute existierenden legendären Trakehner Zucht.



In den folgenden Jahrhunderten brachte die Zucht unter der Leitung herausragender Landstallmeister, prägende Beschäler hervor, wie beispielsweise Thunderclap von Mickle Fell xx. In teilweise enger Inzucht gab er der Fuchsherde Trakehnens, aus der auch die von uns gepflegte Familie T14 - Halensee stammt, ein Gesicht.


 

Die legendäre Fuchsherde im Alten Hof in Trakehnen. Hier war vor Krieg & Flucht auch die von uns gepflegte Familie T14 Zuhause. Foto: Archiv Trakehner Verband


Im ständigen Austausch mit den Privatzuchten Ostpreussens wirkten in Trakehnen Hauptbeschäler, die ihre Rasse über Generationen hinweg beeinflussten. Die wertvollsten Mutterstuten fanden ihr Zuhause in den verschiedenen Herden, nach Farben aufgeteilt, in den legendären Vorwerken des Gestütes. Gurdzen, Bajohrgallen, Kalpakin, Taukenischken oder der Alte Hof im Hauptgestüt als Sitz der Fuchsherde haben heute noch einen großen Klang im Ohr eines jeden echten Pferdeliebhabers.


Als am 17. Oktober des Jahres 1944 der Räumungsbefehl für das wohl berühmteste Gestüt der Welt, Trakehnen erreichte, waren bei der ostpreussischen Stutbuchgesellschaft 14.000 Zuchtstuten und 750 Hengste registriert! Unter heute unvorstellbaren Bedingungen, gelang es den Ostpreussischen Züchterfamilien einige ihrer wertvollsten Stuten die über 1000 km gen Westen zu retten. Vielfach waren es aber gerade diese treuen Pferde, die in unermüdlichem Einsatz ihre Besitzer in langen Trecks vor der Kriegsfurie retteten.


 



Die Verluste auf dem legendären Treck über das zugefrorene Kurische Haff waren unvorstellbar. Männer, Frauen, Kinder und Alte versanken in den eisigen Wassern der Ostsee. Von der einstmals 30.000 Kopf starken Ostpreussischen Pferdepopulation erreichten gerade einmal 1500 Tiere den Westen. Doch auch hier waren sie noch nicht in Sicherheit. Nahrungsmittelknappheit bewog die Besatzungsmächte so manches Treckpferd schlachten zu lassen, gegen größte Widerstände der ostpreussischen Züchter, die ihren treuen Pferden oft genug ihr Leben verdankten. Aus dem Bestand des Hauptgestüts Trakehnen konnten insgesamt nur 27 Zuchtstuten gerettet werden. Sie sollten neben den Stuten aus Privatzucht zu einer wertvollen Keimzelle des Neubeginns der Trakehner Zucht werden!

Das Jahr 2007 war geprägt vom 275jährigen Jubiläum der planmäßigen Trakehner Zuchtgeschichte - ein einmaliges Ereignis in der Geschichte der Reitpferdezuchten weltweit!
Maßgeblichen Anteil an dem Umstand, das wir dieses heutige Jubiläum noch feiern können, trotz Weltkrieg, Flucht und Zerstörung Trakehnens, haben jene 27 Mutterstuten, die aus dem Hauptgestüt stammend, im Winter 44/45 den Westen erreichten. Sie wurden zu einer Keimzelle des züchterischen Neuanfangs.

Bei aller Notwendigkeit zur Marktfähigkeit und Sportlichkeit - Wer Trakehner züchtet muß sich bewußt sein , das er es mit einem lebenden Kulturgut zu tun hat! Viele einzelne Züchterfamilien haben unter allergrößten Anstrengungen diese einmalige Rasse der Nachwelt bewahrt.

Nun ist es an den Nachfolgegenerationen die Einmaligkeit der Trakehner zu pflegen und zu erhalten.Wer sich die Zeit nimmt sich mit der Geschichte der Trakehner etwas genauer zu befassen, der stellt ohnehin schnell fest , das gerade die Sportlichkeit fest in der Trakehner Zuchtgeschichte verankert ist! Erinnert sei nur an klingende Namen wie Gimpel - Absinth - Kronos oder Nurmi

Absinth



Gimpel


Von Beginn unserer Trakehnerzucht an, waren wir bemüht uns sowohl am Leistungsgedanken, als auch an den historischen Vorgaben der Trakehner Zucht zu orientieren. Dazu gehört für uns unabdingbar auch das Vorhandensein der Arabischen Blutelemente. Der im Verlauf seiner Karriere international erfolgreiche Grand Prix Hengst Tannenhof's Solero TSF erschien uns somit als ein Idealfall, der beides in sich vereint.


E.H. Solero TSF & Anja Plönzke, hier beim Turnier der Sieger in Münster.





1972, anlässlich der olypischen Spiele in München, belegte der Rapphengst Pepel unter seiner Reiterin Frau Elena Petruschkova eindrucksvoll, das in Russland aus den Trakehner Pferden, die nicht den westen Deutschlands erreichten, sondern in das Gestüt Kirow in Rostow am Don überführt wurden, eine leistungsstarke Reinzuchtpopulation aufgebaut werden konnte. Viele Blutelemente, die in der Deutschen Trakehnerzucht nicht mehr, oder nur noch sehr gering vorhanden sind, finden wir gerade hier in der russischen Population vermehrt. So ist das in Deutschland eher rare Blut des großen Pilger in Russland im Mannesstamm noch sehr vital.

Pepel & Elena Petruschkova Foto: Archiv Russischer Trakehner Verband/ Frau Elena Werdenberg


Prominenter Sproß der Pilger-Linie war in den späten 90ern und frühen 2000er Jahren, der Hengst Biotop. Unter Dr. Klimke und Tochter Ingrid ein echter Star im GP-Sport. Nach erfolgreicher internationaler Sportkarriere stand er erfolgreich der Zucht zur Verfügung.


Biotop & Dr. Rainer Klimke Foto: Betty Finke

So kommt nun, 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges auch in der Trakehner Zucht wieder zusammen, was zusammen gehört, wie bei unseren beiden Hengstfohlen Honoré von Goldschmidt (von Biotop) und Helikon von Lowelas (von Hockey)

links Honoré von Goldschmidt (v. Biotop) & rechts Helikon von Lowelas, von Hockey

Es bietet sich gerade in der Reinzucht die einmalige Chance wertvollste und verlorengegangen geglaubte Gene wieder zu vereinen. Der Dank für den zu erwartenden Erfolg, gebührt dabei den Züchtergenerationen in West und Ost, die die Grundlage für die Zukunft geschaffen und erhalten haben. So kann sich die Pferdezucht sogar zu einem Symbol für die Völkerverständigung entwickeln!

Trakehner International ist längst mehr als nur ein Slogan!